Probleme mit den Alten. 

Das statistische Bundesamt sagt in seiner 10. Bevölkerungsvorberechnung aus, dass der Anteil der über 80jährigen sich verdreifacht. Ein Ergebnis der Zunahme der Lebenserwartung und des Geburtenrückganges.

Diese Entwicklung findet nicht nur in Deutschland statt, sondern ist weltweit feststellbar und liegt daher im Blickfeld der Vereinten Nationen. Die Vereinten Nationen versuchen die Nationalstaaten zu zukunftsweisenden Handeln zu bewegen. Im September 2002 wurde ein Aktionsplan (2. Weltaltenplan) von Deutschland mit einer Liste von 10 Selbstverpflichtungen angenommen.

Die Bundesregierung betreibt daraufhin eine Bestandsaufnahme, um einen eventuellen Handlungsbedarf fest zu stellen. Den Auftrag die nicht staatliche Beteiligung zu koordinieren bekam die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenorganisationen. Es wurde eine Expertengruppe von acht Personen berufen, die jetzt ein Grundlagenpapier vorgelegt hat.

Schon im Vorwort kommt allgemein Bekanntes zum Tragen: Eine Medaille hat zwei Seiten, „zu Unrecht wird das Altern der Gesellschaft in der öffentlichen Diskussion bislang einseitig als Belastung wahrgenommen.“ Wo historisch begründet ältere Menschen den jüngeren Familienmitgliedern neben zum Teil erheblichen finanziellen Aufwand unentgeltliche Hilfen leisten.

Wenig genutzt ist bislang die Kaufkraft Älterer, was besser auszubeuten gilt. Klassisches Ausbeutungspotenzial ist die Arbeitskraft und die der älteren Menschen soll oder muß besser in Zukunft genutzt werden. Da es in Zukunft weniger junge Fachkräfte gibt, müssen die Alten ran. So viele Inder sind ja nicht der Deutschen Greenkarte nach Hoyerswerder gefolgt.

Das zentrale Anliegen des nationalen Aktionsplans soll:

  • Ein realistisches Bild des Alters vermitteln,
  • Die Teilhabe älterer Menschen am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Leben  gewährleisten, bestehende Diskriminierungen bekämpfen,
  • insbesondere die Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt verbessern,
  • die Wirtschaftskraft der älteren Menschen stärker nutzen und
  • die Lebensqualität im Alter erhöhen, insbesondere die Selbstständigkeit älterer Menschen durch geeignete Formen des Wohnens und des Wohnumfelds erhalten sowie die gesundheitliche und pflegerische Versorgung verbessern.

Bei der Konkretisierung des ersten Punktes unterläuft dann auch gleich der erste Fauxpas. „Bei der Vermittlung eines positiven Bild des Alters muss sich neben der Politik auch die Zivilgesellschaft engagieren. So ist es ein erklärtes Ziel der Expertenkommission ´Ziele der Altenpolitik´ der Bertelsmannstiftung, den Beitrag älterer Menschen in der Öffentlichkeit möglichst überzeugend und medienwirksam darzustellen. Auch die BAGSO trägt durch die öffentlichkeitswirksamen Deutschen Seniorentage, (…) sowie durch Publikationen in den BAGSO-Nachrichten und in den Mitgliedszeitschriften dazu bei, die Potenziale der älteren Generationen gesellschaftlich bewusst zu machen. Dies entspricht der (…) Forderung nach einer Mitwirkung der Älteren bei der Verbesserung ihres Images.“ Wo sind sie denn, die älteren Menschen unter diesen Vereinen und Lobbyverbänden? (Die BAGSO ist verantwortlich für die Stellungnahme und sichert seine Pfründe. Wir machen das.)

Unter der Überschrift „Teil­habe gewährleisten“ wird von der These ausgegangen: „Das Potenzial älterer Menschen im Bereich der Freiwilligenarbeit ist (…) noch nicht ausgeschöpft.“ Die wahrscheinlich in naher Zukunft wegfallenden Zivildienstleistenden können durch ältere (zwangs­verpflichtete) Kräfte ersetzt werden.“ Durch Maßnahmen der Erwachsenenbildung (…) könnte das Interesse der älteren Menschen an ehrenamtlichen Tätigkeiten nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben geweckt werden:“ Wie bekommt man die Alten in die Schule? Indem Renten– und Pensionszahlungen erst mit Nachweis der Bildungsmaßnahme geleistet werden. Die Alten müssen das (ehrenamtliche) Arbeiten lernen.

Andererseits ist es positiv zu vermerken, daß sich die Professores eindeutig gegen die altersbedingte Diskriminierung stellen. Medizinische Leistungen dürfen Menschen nicht aufgrund ihres hohen Alters vorenthalten werden. Auch einer verdeckten Rationierung der medizinisch und pflegerischen Versorgung älter Menschen ist wirksam entgegen zu treten.

Ein großer Teil des Gutachtens nimmt das Thema „Lebensqualität im Alter erhalten“ ein. Von Wohnungspolitischen Forderungen, Gesundheit erhalten, Qualität der Pflege zur Pallativmedizin sind viele Aufgaben zu bewerkstelligen. Die Pallativmedizin, die Behandlung bei nicht heilbaren, weit fortgeschrittener Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung, wird heute mit teuerster Intensivmedizin behandelt, was medizinisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Werner Müller

Die diesem Beitrag zugrunde liegende Stellungnahme der Expertengruppe Nationaler Aktionsplan: Zur Erarbeitung eines Aktionsplanes durch die Bundesregierung zur Bewältigung der demografischen Herausforderungen ist unter http://www.bagso.de/fileadmin/NAP/stellungnahme_nap.pdf aus dem Internet herunter zu laden.

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